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Kontoführungsgebühren vergleichen: die Jahreskosten zählen

Alexandru Becker
Alexandru Becker Experte für persönliche Finanzen & digitale Budgetierung
Schlichte Bankkarte ohne persönliche Daten neben einem gefalteten Gebührenblatt in einer Hand

Monatspreis, Kartenentgelt und Buchungskosten getrennt prüfen. So erkennen Sie, welches Girokonto bei Ihrer tatsächlichen Nutzung günstiger ist.

„Kostenlos“ klingt eindeutig, kann beim Girokonto aber nur den monatlichen Grundpreis meinen. Eine zusätzliche Karte, häufige Bargeldabhebungen oder beleghafte Überweisungen können die Rechnung verändern. Kontoführungsgebühren lassen sich deshalb am besten als Jahreskosten für Ihre eigene Nutzung vergleichen.

Zuerst das bisherige Konto auswerten

Notieren Sie alle tatsächlich berechneten Entgelte aus einem vollständigen Jahr. Einzelne Monate reichen häufig nicht, weil Karten jährlich oder bestimmte Leistungen nur gelegentlich abgerechnet werden. Der Kontostand sagt dagegen nicht, welcher Anteil auf Bankgebühren entfällt.

Eine hilfreiche Unterlage ist die Entgeltaufstellung. § 10 Zahlungskontengesetz sieht für Zahlungskonten mindestens jährlich eine unentgeltliche Übersicht angefallener Entgelte und gegebenenfalls Zinsen vor. Prüfen Sie zusätzlich die aktuellen Preisunterlagen: Ein vergangenes Jahr ist keine Garantie für unveränderte künftige Konditionen.

Diese Posten gehören in den Vergleich

  • Monatlicher oder jährlicher Kontogrundpreis
  • Benötigte Debit- und Kreditkarten einschließlich Partnerkarten
  • Kosten Ihrer üblichen Bargeldabhebungen
  • Einzelne Buchungen, beleghafte Aufträge oder Schalterleistungen
  • Auslandsnutzung, falls sie zu Ihrem Alltag gehört
  • Gelegentliche Zusatzleistungen, die Sie tatsächlich benötigen

Überziehungszinsen sind separat wichtig, wenn Sie den Dispo nutzen. Ein niedriger Kontogrundpreis macht eine regelmäßige Überziehung nicht günstig. Auch Verwahr- oder sonstige Sonderentgelte sollten nur dann einfließen, wenn sie für Ihr konkretes Konto und Ihren Fall gelten. Vermeiden Sie eine Rechnung mit Leistungen, die Sie weder buchen noch brauchen.

Ein Beispiel: günstiger Grundpreis, höhere Gesamtkosten

Zwei frei erfundene Kontomodelle zeigen den Unterschied; die Zahlen sind keine aktuellen Angebote einer Bank:

  • Konto A: 5 Euro monatlich und eine benötigte Karte für 18 Euro jährlich. Gesamtkosten: 60 + 18 = 78 Euro.
  • Konto B: kein monatlicher Grundpreis, eine Karte für 30 Euro jährlich und zwölf kostenpflichtige Abhebungen zu je 5 Euro. Gesamtkosten: 30 + 60 = 90 Euro.

In dieser Nutzung ist Konto A zwölf Euro günstiger. Wenn die zwölf kostenpflichtigen Abhebungen bei Konto B entfallen, verändert sich das Ergebnis auf 30 Euro Jahreskosten. Das Beispiel zeigt, warum ein allgemeines „bestes Konto“ weniger nützt als ein passender Nutzungsfall.

Bedingungen für kostenlose Kontoführung genau lesen

Ist ein Mindestgeldeingang erforderlich? Zählen dafür alle Überweisungen oder nur bestimmte Zahlungen? Gibt es Altersgrenzen, zeitlich begrenzte Aktionen oder ein ausschließlich digitales Kontomodell? Schreiben Sie nicht nur „kostenlos“ auf, sondern auch die Bedingungen, unter denen dieser Preis gilt.

Rechnen Sie zwei Szenarien: einmal mit erfüllten Bedingungen und einmal ohne. Besonders bei wechselndem Einkommen kann der zweite Fall realistisch sein. Ein Bonus zur Eröffnung ist zudem keine dauerhafte Senkung des monatlichen Preises. Trennen Sie Einmalprämien von wiederkehrenden Kosten und achten Sie auf die Voraussetzungen einer Prämie.

Neutrale Vergleichsangebote als Ausgangspunkt nutzen

Der Kontenvergleich der BaFin bietet einen öffentlichen Überblick über Basis- und Girokonten. Er ersetzt nicht die Prüfung des konkreten Angebots beim Anbieter. Kontrollieren Sie benötigte Karten, verfügbaren Service und die aktuellen Bedingungen, bevor Sie einen Vertrag abschließen.

Erfassen Sie drei passende Alternativen mit denselben Nutzungsannahmen. Fragen Sie bei Ihrer bisherigen Bank gegebenenfalls auch nach einem anderen Kontomodell. Wenn Filialservice, Einzahlungen oder eine bestimmte Bargeldversorgung regelmäßig gebraucht werden, haben diese Leistungen einen praktischen Wert.

Die Ersparnis im Budget sichtbar machen

Teilen Sie den jährlichen Unterschied durch zwölf. Eine angenommene Ersparnis von 48 Euro pro Jahr entspricht vier Euro pro Monat. Das ist ein konkreter Betrag, aber kein Grund, Risiken oder unpassende Bedingungen zu übersehen. Dokumentieren Sie den neuen Preis und überprüfen Sie ihn nach Änderungen erneut.

Für die laufende Übersicht eignet sich das Haushaltsbuch. Jährliche Kartenentgelte lassen sich bei den jährlichen Ausgaben berücksichtigen; frei gewordenes Budget kann gezielt in den Notgroschen fließen.

Ist ein Girokonto ohne Monatsgebühr immer kostenlos?
Nicht unbedingt. Karten, Bargeldabhebungen, einzelne Buchungen oder weitere Leistungen können kostenpflichtig sein. Außerdem kann die kostenlose Kontoführung an bestimmte Bedingungen gebunden sein.
Wo finde ich bereits bezahlte Bankgebühren?
Prüfen Sie Kontoauszüge und die Entgeltaufstellung. Für Zahlungskonten sieht § 10 ZKG eine unentgeltliche Aufstellung der angefallenen Entgelte mindestens einmal jährlich vor. Für künftige Preise brauchen Sie die aktuellen Konditionen.